FAQs für Angehörige

Nachhaltige Feuerbestattung umfasst alle Bereiche, in denen ein Krematorium Verantwortung übernehmen kann: den Energieverbrauch bei der Einäscherung, den Einsatz von Ökostrom und erneuerbaren Energien, die Reduzierung von Emissionen durch moderne Filtertechnik, die Wahl ressourcenschonender Materialien wie Urnen aus Biowerkstoffen, aber auch soziale Aspekte wie faire Arbeitsbedingungen, pietätvolle Prozesse und eine würdevolle Begleitung der Angehörigen.
Hinzu kommt Transparenz: Ein nachhaltiges Krematorium dokumentiert seine Leistungen in einem Nachhaltigkeitsbericht, der öffentlich einsehbar ist. So können Sie als Angehörige nachvollziehen, was hinter den Aussagen steckt. Nachhaltigkeit ist dabei kein einmaliges Versprechen, sondern ein fortlaufender Prozess mit konkreten Zielen und bestenfalls jährlicher Berichterstattung.
Nachhaltig handelnde Krematorien nehmen ihre Verantwortung gegenüber Klima und Umwelt mithilfe konkreter Maßnahmen ernst. Dazu zählen der Bezug von zertifiziertem Ökostrom, die Nutzung von Biomethan anstelle von fossilem Erdgas sowie die Installation von Photovoltaikanlagen auf dem Gelände. Manche Krematorien setzen außerdem auf Wärmerückgewinnung: Die bei der Einäscherung entstehende Wärme wird genutzt, um Gebäude zu beheizen oder Energie zurückzugewinnen, statt ungenutzt zu verpuffen.
Moderne Rauchgasreinigungsanlagen sorgen dafür, dass Emissionen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Transparente Krematorien messen ihre CO₂-Emissionen je Einäscherung und veröffentlichen diese Werte in ihren Nachhaltigkeitsberichten. So entsteht eine nachvollziehbare Grundlage, den Sie als Angehörige überprüfen können.
Ein verlässliches Zeichen ist der veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht – idealerweise nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Dieser Bericht zeigt, ob ein Krematorium seine Umwelt- und Sozialleistungen transparent dokumentiert oder ob es bei allgemeinen Aussagen bleibt.
Konkret können Sie auf folgende Punkte achten: Gibt es messbare Angaben zu Energieverbrauch und Emissionen? Wird Ökostrom eingesetzt? Sind moderne Ofentechnik und Rauchgasreinigung vorhanden? Wie geht das Krematorium mit Materialien wie Urnen und Verpackungen um? Gibt es klare Prozesse für einen würdevollen Umgang mit den Verstorbenen und den Angehörigen?
Die Mitglieder der Plattform Nachhaltige Krematorien erfüllen gemeinsame Standards, berichten jährlich nach DNK und legen ihre Leistungen offen. Das macht den Unterschied zwischen gut klingendem Marketing und echter Nachhaltigkeitsarbeit sichtbar.
Nachhaltigkeit und Würde gehören in einem guten Krematorium untrennbar zusammen. Nachhaltig zu handeln bedeutet auch, auf persönliche Begleitung oder einen pietätvollen Abschied wert zu legen: Wer Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft ernst nimmt, tut das in der Regel auch gegenüber den Angehörigen.
In einem nachhaltigen Krematorium finden Sie Abschiedsräume, die eine stille und persönliche Atmosphäre ermöglichen. Angehörige können an der Einäscherung teilnehmen, sich am Sarg oder an der Urne verabschieden und Zeremonien in würdigem Rahmen erleben. Individuelle Beratung, termingebundene Abläufe und ein respektvoller Umgang mit den Verstorbenen sind selbstverständlicher Bestandteil eines verantwortungsbewusst geführten Hauses.
Im Prinzip der drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales – zeigt sich Nachhaltigkeit neben Kilowattstunden und Emissionswerten auch darin, wie ein Krematorium mit den Menschen umgeht, die in einem der schwierigsten Momente ihres Lebens Unterstützung suchen.
Die Wahl der Materialien ist ein wichtiger, aber oft unterschätzter Baustein verantwortungsvoller Feuerbestattung. Urnen aus Biowerkstoffen oder zertifizierten Naturfasern, Särge aus Holz mit anerkannter Zertifizierung (wie FSC), sowie die Verwendung von Recyclingpapier verringern den Ressourcenverbrauch messbar.
Darüber hinaus spielt die Lieferkette eine Rolle: Regionale Produkte verursachen weniger Transportemissionen und die Auswahl von Lieferanten, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen belegen können, setzt positive Signale entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nachhaltig aufgestellte Krematorien dokumentieren ihren Materialeinsatz, reduzieren Papierverbrauch durch digitale Prozesse und wählen Produkte auf Grundlage transparenter Kriterien aus.
Als Angehörige können Sie aktiv mitgestalten: Fragen Sie Ihr Bestattungsinstitut oder Krematorium nach Urnen- und Materialoptionen mit belegbaren Umwelteigenschaften. In einem gut aufgestellten Haus ist das kein ungewöhnlicher Wunsch, sondern eine willkommene Gelegenheit zum Gespräch.

FAQs für Bestatter:innen / Bestattungsinstitute

Die Suche nach einem verlässlichen, nachhaltig aufgestellten Krematorium lässt sich mit konkreten Kriterien strukturieren. Entscheidend sind: ein öffentlich einsehbarer Nachhaltigkeitsbericht (idealerweise nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex – DNK), dokumentierte Standards für Prozesse und Qualität, nachvollziehbare Angaben zu Emissionen und Energieverbrauch sowie klare Aussagen dazu, wie mit Materialien und Urnen umgegangen wird.
Im operativen Alltag zählen für Bestattungsinstitute zudem Aspekte wie 24/7-Anlieferungsmöglichkeiten, verlässliche Ofentechnik, termingebundene Kremation und ein professioneller Umgang bei der Urnenübergabe oder dem Urnenversand. Krematorien, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, dokumentieren diese Leistungen transparent. Das macht Ihre Auswahl leichter und gibt Ihnen gegenüber Angehörigen eine solide Grundlage für Empfehlungen.
Angehörige fragen zunehmend nach dem ökologischen Fußabdruck einer Bestattung und das ist eine Chance für eine ehrliche, vertrauensbildende Beratung. Wichtig dabei: Keine Übertreibungen, keine pauschalen Versprechen wie „klimaneutrale Einäscherung“. Stattdessen: konkret, transparent und glaubwürdig.
Eine hilfreiche Formulierung könnte lauten: „Das Krematorium, mit dem wir zusammenarbeiten, erhebt seinen Energieverbrauch und seine Emissionen, setzt auf Ökostrom und berichtet jährlich offen über seine Nachhaltigkeitsleistungen.“ Das ist nachvollziehbar, überzeugend und vermeidet Greenwashing-Risiken für Ihr Unternehmen.
Wenn Sie mit Mitgliedern der Plattform Nachhaltige Krematorien zusammenarbeiten, können Sie auf veröffentlichte Nachhaltigkeitsberichte und gemeinsame Branchenstandards verweisen. Das gibt Ihnen und Ihren Kunden eine verlässliche Grundlage.
Eine strukturierte Anfrage schützt Sie vor Fehlinformationen und zeigt gleichzeitig, dass Sie Nachhaltigkeit als ernsthaftes Qualitätskriterium verstehen. Folgende Informationen sind sinnvoll anzufordern: den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht oder DNK-Bericht, CO₂-Emissionen je Einäscherung, Angaben zur Nutzung von Ökostrom, Photovoltaik oder Wärmerückgewinnung sowie eine Übersicht verfügbarer nachhaltiger Urnen- und Materialoptionen.
Darüber hinaus sind Prozessangaben hilfreich: Wie läuft die Anlieferung ab? Welche Abschiedsmöglichkeiten bestehen? Gibt es definierte Standards für den Umgang mit Verstorbenen? Wie ist der Urnenversand organisiert? Krematorien, die all das transparent beantworten können, sind verlässliche Partner für Sie und Ihre Kunden.
Auch wenn die meisten Bestattungsinstitute derzeit nicht direkt unter die CSRD-Berichtspflicht fallen, gewinnt das Thema Lieferkette zunehmend an Bedeutung. Bereits heute können Krematorien, Urnenanbieter, Sarglieferanten, Druckdienstleister und Fuhrparkpartner nach Nachhaltigkeitsinformationen gefragt werden – zum Beispiel von größeren kommunalen Auftraggebern oder CSRD-pflichtigen Kooperationspartnern.
Bestattungsinstitute haben an mehreren Stellen direkte Gestaltungsmöglichkeiten: durch die Auswahl von Krematorien mit dokumentierten Nachhaltigkeitsleistungen, durch die Bevorzugung regionaler Lieferanten, durch den Einsatz von Recyclingpapier bei Trauermaterialien und durch die bewusste Wahl von Urnen, deren Umwelteigenschaften durch Zertifikate oder Produktdatenblätter belegt sind – etwa Biowerkstoffe mit Herkunftsnachweis oder Naturmaterialien mit anerkannter Kennzeichnung. Wer diese Entscheidungen heute strukturiert trifft und dokumentiert, ist für künftige Anforderungen aus der Lieferkette gut aufgestellt.
Ja und das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Bestattungsinstitute. Die Plattform Nachhaltige Krematorien bietet Seminare und Webinare an, die praxisnah in die relevanten Themen einführen: Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung, aktuelle EU-Richtlinien wie CSRD und ESRS, der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK), branchenspezifische Kennzahlen sowie konkrete Umsetzungsbeispiele aus Krematorien.
Die Veranstaltungen richten sich an Krematorien, Bestattungsinstitute, kommunale Träger und Fachkreise. Ein Einstieg lohnt sich nicht nur für die eigene strategische Planung, sondern auch, um Angehörige fundierter beraten und gegenüber Partnern klarer kommunizieren zu können, was Ihnen bei der Auswahl von Krematorien wichtig ist.

FAQs für Krematorien

Eine funktionierende Nachhaltigkeitsstrategie beginnt mit der Bestandsaufnahme der Aktivitäten. Welche Themen sind für Ihr Krematorium wirklich relevant? Wo verbrauchen Sie die meiste Energie? Welche Emissionen entstehen, und wo haben Sie den größten Hebel? Diese Wesentlichkeitsanalyse bildet das Fundament.
Darauf aufbauend definieren Sie konkrete Ziele: etwa einen bestimmten Anteil Ökostrom bis zu einem definierten Jahr oder eine Senkung der CO₂-Emissionen je Einäscherung. Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Kennzahlen werden festgelegt, und einmal jährlich wird der Fortschritt in einem Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert.
Dabei müssen Sie das Rad nicht neu erfinden. Der Branchenleitfaden für Humankrematorien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) gibt Ihnen eine erprobte Struktur an die Hand – zugeschnitten auf die spezifischen Themen der Branche, von Emissionen über Arbeitsschutz bis hin zu Governance.
Wer Nachhaltigkeitsleistungen transparent machen will, braucht einen strukturierten Rahmen. Genau das leistet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK): eine kostenlose digitale Plattform, über die Krematorien heute einen Nachhaltigkeitsbericht nach anerkanntem europäischen Standard erstellen können. Für die meisten Krematorien ist dabei der VSME der passende Einstieg – ein freiwilliger Standard, der speziell auf die Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen zugeschnitten ist
Ein DNK-Bericht schafft intern Klarheit: Was wird gemessen und was nicht? Wo stehen wir heute, wo wollen wir hin? Nach außen signalisiert er Transparenz gegenüber Angehörigen, Bestattungsinstituten, kommunalen Trägern und der Öffentlichkeit. Er ist öffentlich einsehbar, nachvollziehbar und vergleichbar.
Die Mitglieder der Plattform Nachhaltige Krematorien berichten jährlich nach dem DNK. Damit entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der Ihrem Krematorium langfristig nützt.
Nachhaltige Steuerung beginnt mit belastbaren Zahlen. Für Krematorien sind folgende Kennzahlen besonders aussagekräftig: Strom- und Gasverbrauch absolut sowie je Einäscherung, Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch, CO₂-äquivalente Emissionen nach Scope 1 und Scope 2, CO-Werte im Abgas im Vergleich zu den Grenzwerten der 27. BImSchV sowie Überschreitungsquoten.
Auf der Ressourcenseite sind Wasserverbrauch, Abfallmengen und Papierverbrauch relevante Indikatoren. Im sozialen Bereich zählen Weiterbildungsstunden je Mitarbeitenden, Arbeitsunfälle, Fehlzeiten und Fluktuation zu den Standardkennzahlen.
Der Branchenleitfaden für Humankrematorien des DNK gibt Ihnen eine strukturierte Übersicht, welche Kennzahlen sinnvoll zu erheben sind und wie Sie diese im Bericht verständlich aufbereiten. Entscheidend ist nicht die Vollständigkeit ab Tag eins, sondern die Konsistenz über die Jahre: Nur wer regelmäßig misst, kann Fortschritte nachweisen.
Der größte Hebel liegt in der Ofentechnik und der Energieversorgung. Moderne Kremationsöfen mit optimiertem Verbrennungsmanagement arbeiten energieeffizienter und erzeugen weniger Emissionen als ältere Anlagen. Ergänzend senken Wärmerückgewinnungssysteme den Primärenergiebedarf erheblich: Die bei der Kremation entstehende Abwärme wird genutzt, um Gebäude zu heizen oder Strom zu erzeugen.
Auf der Versorgungsseite bieten Ökostrom und Biomethan die Möglichkeit, fossile Brennstoffe schrittweise zu ersetzen. Photovoltaikanlagen auf dem Krematoriumsgelände ergänzen dies durch eigene regenerative Stromerzeugung. Im Fuhrpark können E-Fahrzeuge den betrieblichen CO₂-Fußabdruck reduzieren.
Nicht zu unterschätzen sind auch organisatorische Maßnahmen: optimierte Belegungsplanung der Öfen, reduzierter Papierverbrauch durch digitale Prozesse und die bewusste Auswahl von Lieferanten mit nachhaltigen Produkten. Viele dieser Maßnahmen amortisieren sich zudem wirtschaftlich – Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz schließen sich hier nicht aus.
Ob die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) ein Krematorium direkt verpflichtet, hängt von Größe und Kapitalmarktorientierung ab. Kleine und mittlere Krematorien in kommunaler oder privater Trägerschaft sind in der Regel derzeit nicht direkt berichtspflichtig.
Dennoch kann die CSRD indirekt relevant werden: Wenn Bestattungsunternehmen oder kommunale Träger, mit denen Sie zusammenarbeiten, selbst unter die Berichtspflicht fallen, können sie Nachhaltigkeitsinformationen von Ihnen als Teil ihrer Lieferkette anfragen. Dieser Effekt, bekannt als „Value Chain Cap“, betrifft potenziell auch kleinere Unternehmen, die nicht direkt berichtspflichtig sind.
Zusätzlich gibt es mit dem VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) ein eigens entwickeltes Berichtsformat für kleine und mittlere Unternehmen. Wer heute anfängt, Kennzahlen zu erheben und strukturiert zu berichten, ist für kommende Anforderungen gut aufgestellt und hat gegenüber Partnern und der Öffentlichkeit einen klaren Vorsprung.