CO2-Ausstoß im Krematorium – Emissionsquellen, Berichterstattung und Reduktion

Der CO2-Ausstoß im Krematorium gehört zu den zentralen Umweltthemen in der Feuerbestattung. Sie entstehen überall dort, wo Energie eingesetzt wird, also vor allem beim Betrieb der Kremationsöfen, im Fuhrpark und in der Verwaltung. Für Krematorien lohnt sich ein genauer Blick, weil hier ökologische und wirtschaftliche Interessen oft zusammenfallen. Wer Energie einspart, senkt Emissionen und Kosten zugleich. Dieser Beitrag ordnet das Thema ein und zeigt, welche Quellen relevant sind, wie berichtet wird und welche Maßnahmen sich in der Praxis bereits bewährt haben.

Treibhausgase sind Gase in der Erdatmosphäre, die Wärme zurückhalten und so zur globalen Erwärmung beitragen. Zu den wichtigsten zählen Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Die mit Abstand bedeutendste Quelle ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Rechtlicher Rahmen und Einordnung

Die emissionsrechtliche Bewertung von Feuerbestattungseinrichtungen in Deutschland richtet sich nach der 27. BImSchV (Verordnung über Anlagen zur Feuerbestattung). Sie legt verbindliche Grenzwerte für die lufthygienisch relevanten Schadstoffe fest, darunter Staub, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Schwefeldioxid sowie Quecksilber aus zahnärztlichen Amalgamfüllungen. Ergänzend gibt die VDI-Richtlinie 3891 technische Orientierung und definiert unter anderem die CO-Überschreitungsquote als Kennzahl für die Verbrennungsqualität.

Das Treibhausgas CO2 gehört dabei nicht zu den gesetzlich zu erfassenden Parametern nach der 27. BImSchV. Eine unmittelbare Pflicht zur Ermittlung der Treibhausgasemissionen ergibt sich für Krematorien aus dem Immissionsschutzrecht also derzeit nicht.

Gleichzeitig gewinnt das Thema spürbar an Gewicht. Mit der Änderung des Klimaschutzgesetzes wurde das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verankert. Bereits bis 2030 sollen die Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Auch über die Berichtspflichten der CSRD und über Anfragen aus der Lieferkette rückt die CO2-Bilanz zunehmend in den Fokus. Wie sich diese Entwicklungen für die Branche darstellen, beschreiben wir in unserem Beitrag Aktuelles zur CSRD-Richtlinie.

Wichtigste Quellen der Treibhausgasemissionen

Die größte Emissionsquelle ist in aller Regel der Gasverbrauch der Kremationsöfen einschließlich der vorgelagerten Erzeugung und Bereitstellung des Gases, der sogenannten Vorkette.

Daneben spielen weitere Quellen eine Rolle:

  • Kraftstoffverbrauch wie Diesel oder Benzin für eigene oder geleaste Fahrzeuge
  • Stromverbrauch, sofern kein Grünstrom bezogen wird
  • Verbrennung von Holzsärgen und der Körper der Verstorbenen, die je nach gewählter Berechnungsgrundlage allerdings nicht in die Treibhausgasbilanz der Krematorien einfließt.

Wie wird berichtet? (CO₂-Bilanzierung)

Für die Erfassung von Treibhausgasen hat sich das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) als weit verbreitetes Rahmenwerk etabliert. Dieses wurde vom World Resources Institute und dem World Business Council for Sustainable Development entwickelt. Alternativ kommt die ISO 14064 zum Einsatz, deren Methodik der des GHG Protocol sehr ähnlich ist.

In der Praxis wird zwischen der Bilanzierung auf Unternehmensebene, dem Corporate Carbon Footprint (CCF), und der Bilanzierung einzelner Leistungen, dem Product Carbon Footprint (PCF), unterschieden. Krematorien ermitteln in der Regel den Corporate Carbon Footprint. Berichtet werden die Ergebnisse in Tonnen CO2-Äquivalenten, unterteilt in drei sogenannte Scopes:

  • Scope 1 umfasst direkte Emissionen, etwa die Verbrennung von Gas in den eigenen Anlagen und von Kraftstoff in eigenen Fahrzeugen.
  • Scope 2 betrifft indirekte energiebedingte Emissionen, beispielsweise aus dem Bezug von Strom und Fernwärme.
  • Scope 3 erfasst weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, etwa aus eingekauften Waren, Pendelverkehr oder Abfallentsorgung.

Technische Möglichkeiten zur Emissionsminderung

Erfreulich ist, dass viele Stellschrauben den Krematorien selbst zur Verfügung stehen.  Moderne Kremationsanlagen sind technisch deutlich effizienter als ältere Generationen. Zweikammersysteme mit Nachbrennern sorgen für eine vollständigere Verbrennung und reduzieren CO-Emissionen und organische Verbindungen erheblich. Filtersysteme, etwa Gewebefilter oder Aktivkoksfilter, mindern Staub, Schwermetalle und organische Schadstoffe.

Zu weiteren bewährten Maßnahmen zählen die Umstellung auf Biomethan und Ökostrom, die Errichtung von Photovoltaikanlagen, die Nutzung der Abwärme über eine ORC-Anlage (Organic Rankine Cycle) zur Strom- oder Wärmeerzeugung sowie der Einsatz elektrisch betriebener Fahrzeuge. Auch ein gut geplanter Mehrschichtbetrieb und eine regelmäßige Wartung der Anlagen senken den Gasverbrauch spürbar, weil die Öfen seltener aus dem kalten Zustand hochgeheizt werden müssen.

In der Praxis kombinieren Krematorien meist mehrere dieser Ansätze. Welche Maßnahmen sich eignen, hängt von Standort, Anlagentechnik und Investitionsspielraum ab. Wer fossile Energie durch erneuerbare Quellen ersetzt und den Verbrauch je Einäscherung senkt, verbessert seine CO2-Bilanz unmittelbar und reduziert zugleich die Energiekosten. Verbleibende Emissionen, die sich technisch nicht weiter vermeiden lassen, können über anerkannte Klimaschutzprojekte kompensiert werden.

Unsere Einordnung

Die Messung und Reduktion klimaschädlicher Emissionen ist einer unserer zehn verbindlichen Standards. Unsere Mitglieder dokumentieren ihre Nachhaltigkeitsleistung transparent über ihre Berichte auf der DNK-Plattform und entwickeln sie kontinuierlich weiter. Für Krematorien, die hier ansetzen möchten, bietet der Branchenleitfaden für Humankrematorien eine gute Orientierung. Er beschreibt das Thema verständlich und ergänzt es um Praxisbeispiele.

Der erste Schritt ist oft der wichtigste. Wer den eigenen Corporate Carbon Footprint einmal ermittelt hat, kennt seine Quellen, kann gezielt Maßnahmen ableiten und Fortschritte über die Jahre sichtbar machen. Genau darin liegt der Mehrwert für Krematorien, für ihre Partner in der Bestattungsbranche und für alle, denen eine umweltbewusste Feuerbestattung am Herzen liegt.

Weitere Informationen zu den Mitgliedern, den gemeinsamen Standards und aktuellen Seminaren finden Sie auf den jeweiligen Unterseiten der Plattform.